Mit dem Fahrrad unterwegs

Ostseebotschafter Theo Bauernschmidt mit seinem Radtour-Tipp

Zwischen der Ostsee und dem Hemmelsdorfer See erstreckt sich die Aalbeek-Niederung, ein wunderschönes und abenteuerlich anmutendes Naturschutzgebiet. Das Flüsschen Aalbeek verbindet See mit Meer, kaum fließend, da es bei der Einmündung in den Niendorfer Hafen auf eine möglichst gleiche Wasserstandshöhe gehalten wird. Damit ist auch der Pegel des Hemmelsdorfer Sees fixiert. Die Aalbeek-Niederungen sind ein meist baumbestandenes, sehr sumpfiges Gebiet, das mit wenigen Wegen und Pfaden durchzogen wird. Das Sumpfwasser reicht meist bis an die Ränder der Wegebefestigungen und engt diese nach niederschlagsreichen Wochen abschnittsweise bis auf einen halben Meter ein. Beim Wandern und insbesondere beim Radfahren ist zuweilen Vorsicht geboten, um nicht vom Pfade abzugleiten.

Beim Anblick des Sumpfwaldes überkommt einem ein seltsames, sonderbares und fast unheimliches Gefühl. Sehr fremd und verwunschen, zuweilen auch düster, aber auch verzaubernd anmutend ist einem diese Welt, die man nicht betreten und der man nicht näher kommen kann. Die abgestorbenen, ungeordnet querliegenden Bäume verleihen dem Ganzen zusätzlich einen düsteren, vergänglichen Charakter. Und die Einsamkeit – es gibt nur wenige Besucher – steigert die Empfindungen: man fühlt sich ein wenig wie ein Abenteurer oder Entdecker im sumpfigen Urwald, angespannt und gewärtig, dass vielleich doch etwas Unheimliches geschehen könnte. Und just in diesem Moment vernimmt man das laute und erschütternte Geschrei wilder exotischer Vögel, das einem durch Mark und Bein geht.

Für Einheimische ist dieses Vorkommnis jedoch leicht zu erklären:
Unmittelbar an die Niederung schließt der Vogelpark Niendorf an, in dem auch Vögel aus tropischen und subtropischen Gebieten wie Hornvögel, Papageien, Flamingos und Fächertauben gehalten werden und von Besuchern dieses Parkes bewundert werden können.

Es gibt noch weiteres Interessantes zu entdecken:

Im Südwestteil des Naturschutzgebietes entdeckt man inmitten eines sumpfigen Geländes einen von mächtigen Erlen umrahmten und eingeengten, pitoresk sich schlängelnden, schmalen Pfad. Man glaubt eine überdimensionale Slalomstrecke vor sich zu haben, die mit Bravour zu meistern vor allem Radfahrer reizt. Im östlichenTeil der Niederung Richtung Häven gab es auf einem Hügel in Zeiten des Mittelalters im 13. und 14. Jahrhundert die Ritterburg Gosevelde, von der allerdings bis auf ehemalige Fundamentsteine nichts mehr erhalten ist. Von hieraus wurden seinerzeit gerne Raubüberfälle ausgeübt, weswegen die Burg auch "Räuberkuhle" genannt wird. Die Lübecker Kaufleute wollten sich diese kriminellen Übergriffe nicht mehr gefallen lassen und ließen die Burg schleifen. Heute kann man getrost zu Füßen des Burghügels am Wegesrand an einem bereitstehenden Tisch mit Stühlen rasten oder picknicken und sich phantasievoll gedanklich in diese bewegte vergangene Geschichte begeben. Und man muss sich an diesem Ort auch noch vorstellen, dass man hier direkt am Ufer der Ostsee saß, die zu jener Zeit mit dem heutigen Hemmelsdorfer See eine Förde bildete.

Absoluter Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes ist die Besteigung des im Zentrum der Niederung gelegenen, 20 Meter hohen Herrmann-Löns-Turms. Von der Plattform bietet sich ein wunderbarer Rundblick nicht nur über das durchstreifte und erlebte Sumpfgebiet, sondern auch über den gesamten fünf Kilometer langen Hemmelsdorfer See, dessen Grund mit ca. 45 m unter dem Meeresspiegel die tiefste Stelle des deutschen Festlandes bildet. Über den See schweift der Blick bis nach Lübeck, wo man bei einigermaßen guter Sicht die mächtigen Türme der St.-Marien-Kirche und den Turm der mittelalterlichen Feldsteinkirche in Ratekau erkennen kann. Diesen Landschaftsgenuss sollte man sich nicht entgehen lassen und es ist zuweilen zu beobachten, dass so manche romantische Besucher diesen durch den Verzehr von Krabbenbrötchen und Sekt vor allen in den lauen Abendstunden noch zu steigern versuchen. Da stört es auch nicht, wenn einige der wenigen Turmbesteiger neidisch zuschauen und anerkennende Bemerkungen abgeben.

In der 1,5 km langen und 500 m breiten und Aalbeek-Niederung kann man sich Rundwege von ca. 3 bis 5 km Länge aussuchen. Durchstreifen Sie einmal dieses Naturschutzgebiet und Sie werden erfahren, dass ich in meiner Darstellung kaum übertrieben habe!

 

Theo Bauernschmidt
Ostsee*Botschafter für Timmendorfer Strand

Mein Lieblingsplatz:
Niendorfer Hafen – besonderes Flair, Fischerboote, Frischfisch, Restaurants mit Außenbewirtschaftung.

Was Sie unbedingt erleben sollten: 
Volleyball-Meisterschaften in Timmendorfer Strand / Fischessen, Beach-Dining / Strandleben / Radtour Haffkrug – Travemünde entlang der Ostsee / Ausflug in die Holsteinsche Schweiz und nach Lübeck

Ich bin ehrenamtlicher Ostsee-Botschafter, weil ich die landschaftlichen Schönheiten entlang der Küste, aber auch im Binnenland, die regionalen Besonderheiten in der Kultur und im Kulinarischen, die vielfältigen sportlichen Angebote sowie das kulturelle Erbe (Lübeck, Feldsteinkirchen, Schlösser und staatliche Gutshöfe) sehr schätze. Da ich in München über 4 Jahrzehnte beruflich tätig gewesen bin, kann ich die Unterschiedlichkeiten und Vorteile dieser nördlichen Region auch aus anderer Sicht beurteilen und in den Tourismus einbringen.