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Häufig liegt einem Herzstillstand ein Herzinfarkt zu Grunde, aber auch Herzmuskelerkrankungen oder angeborene Herzerkrankungen können die Ursache sein. Bei vielen Betroffenen ist vor dem Herzstillstand keine Herzerkrankung bekannt – es trifft also vermeintlich völlig gesunde Mitmenschen. 

Ohne sofortige Rettungsmaßnahmen droht der sogenannte plötzliche Herztod. Nun sind das sofortige Absetzen des Notrufs 112 und die sofortige Herzdruckmassage für den Betroffenen entscheidend für das Überleben. Hierdurch werden das Gehirn und die Organe des Körpers weiterhin mit Sauerstoff versorgt und vor Schaden geschützt. Eine Herzdruckmassage kann jeder Mitbürger leicht erlernen und anwenden. Erschreckenderweise wird sie häufig von Anwesenden unterlassen. Aus Unsicherheit wird dann nach dem Absetzen des Notrufs 112 oft ohne Herzdruckmassage nur abgewartet, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Eine Herzdruckmassage wird in der Regel überbrückend durchgeführt bis der Notarzt mit einem Defibrillator vor Ort ist. Die Ursache für einen Herzstillstand ist in der überwiegenden Zahl der Fälle eine bösartige Herzrhythmusstörung: Kammerflimmern. Beim Kammerflimmern schlagen die Herzkammern mit Frequenzen über 400/min – somit kann kein effektiver Weitertransport von Blut im Kreislauf stattfinden. Kammerflimmern kann nur durch eine Defibrillation beendet werden und somit ein effektiver Herzrhythmus wieder hergestellt werden.  

Da es bei der Behandlung des Herzstillstandes auf jede Sekunde ankommt und die Überlebenswahrscheinlichkeit von der Zeit des Herzstillstandes bis zur Reanimation abhängt, sind sogenannte AEDs (automatische externe Defibrillatoren) von größtem Nutzen. Diese Geräte sind auch von Laien leicht zu bedienen.

AEDs sind dabei vor allem in Bereichen mit großem Menschenaufkommen wie z.B. auf Flughäfen, in Bahnhöfen, in Sportstadien bekannt. Dass ein ganzer Badeort dagegen flächendeckend mit Defibrillatoren ausgestattet wird, ist einmalig.

Projekt „Heart-Save-Beach“

Die Annahme, dass eine systematische Ausstattung von schnell erreichbaren AEDs und eine gute Aufklärung und Ausbildung der Timmendorfer Mitbürger in der Laienreanimation zukünftig Menschen mit Herzstillstand das Leben retten kann, war Auslöser für das Projekt „Heart-Sve-Beach“ oder auf Deutsch „Herzsicherer Strand“.

Diese Idee von einem „Heart Safe Beach“ – einem herzsicheren Timmendorfer Strand hatte der Timmendorfer Mitbürger Prof. Dr. Hendrik Bonnemeier, stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie und  Leiter der Abteilung für Herzrhythmusstörungen am Universitätsklinikum Schleswig Holstein in Kiel. Professor Bonnemeier ist ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet von Herzrhythmusstörungen. Seine wissenschaftliche Arbeitsgruppe beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem plötzlichen Herztod. Dieser Arbeitsgruppe gehört sein Doktorand, der Dozent im Gesundheitswesen Justin Große Feldhaus an. Herr Große Feldhaus wird im Rahmen seiner Doktorarbeit das Projekt „Heart Safe Beach Timmendorfer Strand“ den Prozess der Etablierung eines solchen AED-Netzes begleiten, Konzepte zur Aus- und Weiterbildung von Laien erstellen und Schulungen durchführen. Dabei wird der Fokus auf Mitbürgern liegen, die in unmittelbarer Nähe von AED-Standorten wohnen oder arbeiten und den DLRG-Rettungsschwimmern. Ein wesentlicher Aspekt wird jedoch sein, die Bevölkerung von Timmendorfer Strand für AEDs und deren Nutzung zu sensibilisieren.

Timmendorfer Strand mit 18 neuen AEDs gegen den plötzlichen Herztod

Im Rahmen des Projektes „Heart Safe Beach Timmendorfer Strand“ hat die  Gemeinde 18 AEDs zur Verfügung gestellt. Diese wurden nun an den zwölf DLRG-Stationen auf dem Strand und an zentralen und strategisch wichtigen Stellen in Timmendorfer Strand und Niendorf aufgestellt. Standorte in Timmendorfer Strand sind die Maritim-Seebrücke, das Alte Rathaus und der Seepferdchenbrunnen, in Niendorf die Seebrücke, das Haus des Kurgastes und die neue Hafen-Info. Ziel ist es, für den Fall eines Herz-Kreislauf-Stillstandes binnen zwei Minuten einen AED zur Hand zu haben. Hinweisschilder über jedem öffentlich platzierten Gerät informieren über Erstmaßnahmen beim Kreislaufkollaps und sollen so dem Anwender Sicherheit geben. 

Eine erste öffentliche Vorführung  der Handhabung der AEDs wird von der DLRG am kommenden Donnerstag, den 16.07.15 um 15.00 Uhr auf dem Sportstrand an der Maritim Seebrücke angeboten. Gäste und Einheimische sind gleichermaßen eingeladen, sich über das unkomplizierte Bedienen zu informieren.

Im weiteren Verlauf des Projektes möchten die Initiatoren jetzt Geschäfte, Restaurants, Hotels und Freizeitbetriebe gewinnen, sich ebenfalls mit Defibrillatoren auszurüsten, um das Netz noch weiter zu verfeinern. Ein entsprechendes Angebotsschreiben wird kurzfristig zugesendet. Interessierte Betriebe können sich gerne an den TSNT Geschäftsführer Joachim Nitz unter 04503 3577 80 wenden